Selbstwickeln - Aller Anfang ist schwer

 

Ich hab lange überlegt, wie ich einem Wickeleinsteiger das Mysterium näher bringen kann. Und idealerweise so, das sich ein schnelles Erfolgserlebnis einstellt.

Um es vorweg zu nehmen, wir wickeln gleich eine Microcoil mit Watte. Um zu verstehen, was das überhaupt ist, erstmal was eine herkömmliche (keine Ahnung wie man die nennt) Wicklung mit Glasfaserschnur:

 

Erstmal braucht man dazu Draht und Glasfaserschnur (Silikatschur oä), klar, einen zum Selbstwickeln geeigneten Verdampfer, etwas Werkzeug und Geduld. Manche Verdampfer sind speziell für Dochte aus Edelstahlsieben gedacht, damit es nicht zu weit führt, diese mal außen vor.

 

Gut, erstmal nehmen wir ein Stück der Schnur. Schon die ersten Fragen: Welche Schnur, wie dick, wie viele Stränge, gerade oder in Schlaufen gelegt - naja, ganz schön kompliziert.

 

Ok, haben wir uns endlich für irgendwas entschieden, wickeln wir da nun Draht drum. Und schon die nächsten Probleme: Welchen Draht, wie dick, wie oft drumwickeln, wie fest drumwickeln, wie locker, mit Wickelhilfe oder ohne und wenn mit dann mit was? - Man!

 

Na gut, ist das auch geklärt, wickeln wir Draht um die Schnur, nicht zu stramm und nicht zu lose. Doof nur, wenn man noch garkeine Ahnung hat, was fest und was lose ist. Egal, wird schon. Nu wickeln wir so, das zwischen den einzelnen Windungen immer etwas Platz ist. Nichts darf sich berühren, die Abstände sollen jetzt wieder weder zu groß noch zu klein aber zumindest sehr gleichmäßig sein - Puh!

 

Und so ungefähr sollte das Ganze am Ende aussehen:

 

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Vielleicht wird jetzt langsam klar, warum ich mich so lange vor einer Einführung für Einsteiger gedrückt habe. Kann man nicht so ein paar Fragen irgendwie ausschließen oder wenigstens einfach beantworten? Ja, geht!

 

Und nu endlich zur Microcoil und was daran nun anders ist:

 

Erstmal brauchen  wir Draht. Gut, auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich sag mal mit Kanthaldraht mit einem Durchmesser zwischen 0,20 und 0,30mm macht man erstmal nichts falsch. Je nachdem, wieviel Ohm das Ergebnis haben soll, halt etwas dünner (mehr Ohm) oder etwas dicker (weniger Ohm). Willst du eine Wicklung noch unter einem Ohm basteln, geht natürlich auch noch dickerer Draht, ich selbst peile so 0,9 Ohm an und nehme dazu 0,35er Draht. Möchte man lieber NiCr Draht nutzen - klar, geht natürlich auch.

 

Zum ersten Unterschied:

Wir wickeln den Draht jetzt nicht um einen Schnurpuschel sondern um irgendetwas stabiles. Ich nehme einen 1,5mm Bohrer, es geht aber auch eine dicke Nadel, ein dünner Nagel, Zahnstocher, Minischraubendreher - irgendwas halt.

 

Schon der nächste Unterschied:

Wir wickeln die einzelnen Windungen so, das sie schön nebeneinander (also nicht übereinander) sind und sich gegenseitig berühren. Das wird nicht so ganz klappen, macht nix, wickel einfach so gut es geht, der Rest folgt später.

Die Frage nach dem "wie fest?" stellt sich schonmal nicht bzw ist selbsterklärend. Zu locker und das klappt einfach nicht mit dem Nebeneinander, zu fest wäre, wenn du beim Wickeln den Draht abreißt. Nimm einfach irgendwas dazwischen, dann passt das.

So sollte das dann in etwa aussehen:

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Als nächstes basteln wir das Konstrukt in unseren Verdampfersockel. Hat man zum drumwickeln jetzt etwas genommen, das nicht all zu lang ist, kann es sein, das es deutlich handlicher ist, das was auch immer zum einsetzen der Wicklung in selbiger zu lassen. Stört das, dann halt raus damit.

Wenn die Wicklung eingebaut ist, muss die Wickelhilfe auf jeden Fall raus.

Nu hab ich ja geschrieben, das sich die einzelnen Windungen berühren sollen. Tun sie das jetzt schon, dann alle Achtung, klappt bei mir nie. Glückwunsch!

Wenn nicht so ganz, dann drücken wir einfach auf den Feuerknopf bis die Wicklung glüht, nehmen ein geeignetes Werkzeug (Finger sind nur dann geeignet, wenn man sie anschließend nicht mehr braucht, das is heiß!) und drückt die Wicklung zusammen. Ich nehm dazu eine Pinzette, hat sich bewährt. Achtung! Nicht feuern und drücken gleichzeitig, Metallwerkzeuge machen Kurzschluß! Also erst feuern, dann mit ner Pinzette dran. Das ganze ein paar mal, dann bleibt die Wicklung so.

Ich beschreibe das hier recht ausführlich, keine Angst, das Machen geht schneller als das Tippen.

 

So ähnlich sollte das nun aussehen:

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Als nächstes brauchen wir Watte. Nix dolles, einfach welche aus dem Supermarkt. Viele schwören auf sauerstoffgebleichte Baumwollwatte, mir ist langfaserige Zellstoffwatte lieber. Gehen tut beides. Keine Sorge, du musst kein Watteexperte sein, das steht alles auf den Wattetüten. Klar, steht irgendwas von Zusätzen (Aloe Vera oder was weiß ich) drauf, wäre die weniger zum Dampfen geeignet.

 

Es ist jetzt natürlich recht aussichtslos, zu versuchen, den kompletten Inhalt des Wattebeutels durch die Wicklung zu bekommen. Wir brauchen also nur ganz wenig, etwa so:

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Etwas mehr, etwas weniger - alles egal, den größten Teil schneiden wir gleich ohnehin noch ab.

Nun passt das ja immernoch nicht, erstmal etwas in die Länge zuppeln. Immer schön locker, wir pressen mal so garnix.

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Nun ein Ende zwischen 2 Fingern spitz zwirbeln, geht mit angefeuchteten Fingern super. Ich schneide dann noch die etwas fransige Spitze ab, ungefähr so:

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Und siehe da, nu kann man das gezwierbelte Ende fast durch die Coil werfen, super. Schaut sie am anderen Ende etwas heraus, ziehen wir die Watte durch die Coil. Gehts etwas schwer, zupfen wird das Ende hinter der Wicklung halt noch etwas schlanker. Soweit durchziehen, das man das verzwierbelte Ende abschneiden kann, das wollen wir nicht dampfen.

Wie lang die Watte nun links und rechts von der Wicklung rausschauen soll, hängt auch von deinem Verdampfer ab. Einfach mal rumprobieren, weniger Watte ist oft mehr, zu wenig ist auch Mist. Aber du musst, sollte das alles noch nicht ganz so funktionieren, ja nicht jedes mal die Wicklung neu machen, Watte tauschen reicht ja.

Ist die Watte nu drin, passend abgeschnitten, der nächste Vorteil: WIr feuchten nu die Watte mit Liquid an. Feuchte Watte klebt, jetzt kann man sie hinpappen wo man will, etwas modellieren usw. Und das bleibt dann alles so - Toll!

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Noch etwas zu diesen bösen Ohm (nicht mit Omen zu verwechseln):

Nutzt du einen regelbaren Akkuträger, darf die Wicklung, je nach Akkuträgermodell, einen bestimmten Wert nicht unterschreiten. Ich sag mal 1,5Ohm sollten die meißten noch befeuern. Mehr Ohm geht natürlich problemlos.

 

Auf mechanischen Akkuträgern geht auch noch weniger, ich würde es am Anfang aber bei ca 1,0 Ohm gut sein lassen. Will man noch weiter runter, sollte man sich erstmal über Akkubelastbarkeiten schlau machen. Auf der anderen Seite werden Wicklungen mit deutlich über 2,0 Ohm mechanisch nicht besonders doll dampfen.

Woher weiß ich, wieviel Ohm meine Wicklung nu hat? Ganz einfach, messen! Das gehört nunmal zum Selbstwickeln dazu. Das kann man mit einem Akkuträger machen der das kann, oder mit einem speziellen Messgerät. Ein Multimeter geht auch, dazu muß man nur einiges bedenken, zB den Eigenwiderstand der Prüfschnüre vom Messergebnis abziehen. Alles nicht ganz ohne und auch nicht wirklich exakt (es sei denn, man hat ein nicht ganz so günstiges Teil und weiß auch, damit umzugehen). Deshalb empfehle ich dem Wickeleinsteiger so ein Multimeter eher nicht. Aber wenn man so ein Ding rumfliegen hat, besser als nix.

 

Wie mache ich nun mehr oder weniger Ohm?

Ganz einfach, für mehr Ohm mehr Windungen, dünneren Draht oder ein dickeres Ding zum drumwickeln. Weniger Ohm entsprechend umgekehrt. NiCr Draht hat bei gleichem Durchmesser weniger Ohm als Kanthal, also hat auch das Einfluss.

 

So, was jetzt folgt ist etwas rumexperimentieren. Egal wieviel ich jetzt noch schreibe, das werde ich dir nie ganz abnehmen können. Aber es soll Leute geben, denen das sogar etwas Spass macht. Also frisch an Werk und rumprobiert, wird schon werden!